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Trainer und Scharlatane - oder wie erkenne ich einen guten Verein?

Kein gleiches Recht für alle

Im traditionellen japanischen Karate gibt es eine klare Rangordnung: Der Schüler mit dem höheren Gurt hat Vorrang vor dem mit dem niedrigeren Gurt. An der Spitze der Ordnung steht der Meister. Sein Wort ist Gesetz. Widerspruch wird nicht geduldet. Schon übermäßiges Hinterfragen wird sehr ungern gesehen. Ich hatte das Glück, in Japan trainieren zu dürfen, und kann berichten, dass diese Ordnung dort zumindest in einigen Vereinen immer noch so besteht.

Das Wissen um die Hintergründe des Karate wird vom Meister an seine Schüler nur sehr behutsam weitergegeben. Dies hat mehrere Gründe: zum einen benötigt der Schüler eine gewisse Trainingsreife, um mit dem Wissen überhaupt etwas anfangen zu können und nicht einfach nur verwirrt zu werden. Zum anderen möchte der Meister sicher gehen, dass der Schüler auch die geistige Reife besitzt, mit diesem Wissen und Können verantwortungsvoll umzugehen. Nicht zuletzt konzentriert der Meister seine Aufmerksamkeit auch häufig auf Schüler, die gezeigt haben, dass diese Aufmerksamkeit auch Früchte trägt. Es entsteht also auch im Sinne des Zugangs zu Wissen eine Ordnung.

In Deutschland halten sich Vereine unterschiedlich stark an diese althergebrachte Auffassung. Fest steht aber auch, dass alleine aufgrund der Notwendigkeiten des Trainings (genau wie in den meisten anderen Sportarten) keine absolute Gleichberechtigung herrscht.

Wie also erkennen?

Warum erzähle ich dies alles? Weil gerade diese Umstände es einem Anfänger häufig sehr schwer machen, einen guten von einem schlechten Verein zu Unterscheiden. Antworten in Bezug auf den Sinn und Zweck seines Trainings erhält der Schüler häufig wenig bis gar nicht. Wie soll er also zwischen gut und schlecht unterscheiden? Leider gibt es hierfür keine Patentrezepte. Auch ein sehr traditionell orientierter Verein kann sehr gutes Karate-Training anbieten. Im folgenden Versuche ich einige Anzeichen zu nennen, die bei der Bewertung des Trainings helfen könnten. Letztlich kann aber nur jeder für sich selbst entscheiden.

Das Gefühl

Viel zu lernen und sich gut zu fühlen ist nicht immer identisch. Häufig hat man sogar den Eindruck, es schliesst einander aus. Rückblickend kann ich sagen, dass ich vermutlich am wenigsten in den Zeiten gelernt habe, wo ich am zufriedensten mit mir selbst war. Was ich damit sagen will ist: die Qualität eines Trainings am eigenen Leistungseindruck zu messen ist häufig trügerisch.

Bei kommerziellen Trainings-Angeboten ist in dieser Hinsicht doppelte Vorsicht angebracht. Solche Angebote sind nicht zwangsläufig schlecht, aber es besteht doch immer die Gefahr, dass die Gewinnmaximierung vor die Entwicklung der Trainierenden gestellt wird. Die Trainer überzeugen den Schüler in so einem Fall binnen weniger Wochen, er sei Rambo. Der zahlt darauf natürlich weiterhin schön seinen Beitrag - und darauf hat es der Verein ja absehen. Aber lernen wird der Schüler nichts oder nur sehr wenig. Damit ich nicht falsch verstanden werde: nicht alle kommerziellen Kampfsportangebote sind schlecht! Ich selbst habe solche schon wahrgenommen.

Im Bezug auf das Wohlfühlen ist natürlich auch das andere Extrem nicht gut: wer sich beim Training wirklich unwohl fühlt, sollte zwar nicht gleich aufgeben: Häufig ist die Umgebung anfangs nur ungewohnt. Geht man aber auch nach einem Monat nur mit einen schlechten Gefühl zum Training, dann lieber einen anderen Verein oder gar einen anderen Sport suchen.

Verspechungen

Karate - oder auch eine andere Kampfsportart - lernt man nicht in drei Tagen. Bei allen Vereinen, die übermäßig schnellen Erfolg versprechen, ist sehr große Skepsis angebracht. Dies gilt insbesondere in Bezug auf Selbstverteidigung: Einem geübten Messerkämpfer kann man nicht nach zehn Trainingsstunden Paroli bieten. Wer solche Wunder verspricht, belügt nicht nur die Schüler, sondern vermittelt ihnen auch ein gefährliches Gefühl von Sicherheit.

Gesundheit

Karate muss nicht gesundheitsfeindlich sein! Dies beginnt bereits beim Aufwärm-Training: Während früher "gelobt sei, was hart macht" angesagt war, sollte ein Aufwärm-Training heute physiologisch zumindest in Ordnung sein. Wenn schon beim Aufwärmen offensichtlich schlechte Übungen gemacht werden (z.B. Kniebeugen mit einem Kollegen auf den Schultern) würde ich von dem Verein abraten. Ich für meinen Teil möchte auch in 30 Jahren noch Karate betreiben können!

Auch für das Training selbst gilt: in einem guten Verein ist Verletzungsvorbeugung ein wichtiger Aspekt. Die Trainer sollten nach meiner Meinung daher zumindest Grundlagen der Sportmedizin kennen (z. B. Muskelaufbau). Traditionell waren in Asien Kampfsport-Meister häufig von Beruf Mediziner.

Qualifikation des Trainers

Zitat: Aber mein Traininer ist ein 9. Schwarzgurt. Der muss doch gut sein! Antwort: leider sind Gurtgraduierungen nicht einheitlich geschützt. Es gibt leider viele verschiedene Verbände, die ihre eigenen Gürtel vergeben (und sogar eigene Weltmeisterschaften ausrichten). Die Größe und Qualität dieser Verbände variiert sehr stark. Für den Einsteiger heißt das leider, dass die Graduierung ungenaues Maß für die Qualifikation des Trainers ist.

Der TV Metjendorf ist dem Deutschen Karateverband angeschlossen. Ob dies der beste Verband ist, kann und will ich nicht beurteilen. Er ist aber derjenige Verband, der vom Deutschen Sportbund als einziger Vertreter des Karate in Deutschland anerkannt ist. Zudem ist er der Verband mit mit Abstand den meisten Mitgliedern in Deutschland. Ich selbst habe meine Prüfungen dort abgelegt.

Streng genommen besagt eine Gurtstufe im Karate nur etwas über das eigene Können aus, nicht aber über die Fähigkeit, Karate zu vermitteln (bei hohen Graduierungen sollte es anders sein...). Karate-Trainer können sich in Deutschland, wie Trainer anderer Sportarten auch, ausbilden lassen. Die Ausbildung beginnt mit dem Übungsleiterschein und führt zum Trainerschein. Um Diplom-Trainer zu werden, ist ein Studium notwendig. Leider ist keine dieser Qualifikationen zwingend vorgeschrieben.

Für den Anfänger heißt das mal wieder: Ein gut qualifizierter Trainer ist nicht leicht zu erkennen. Er sollte einem anerkannten Verband angehören und eine Trainerlizenz haben. Das allein ist aber noch keine Garantie!

Wettkampferfolge

Hier muss man wissen, was man will. Die Vereine in Deutschland unterscheiden sich deutlich in ihrer Ausrichtung: einige stellen den Wettkampf ins Zentrum, andere Vereine haben sich den "traditionelleren" Inhalten verschrieben. Ein Verein ohne beeindruckende Erfolgsliste ist daher nicht zwangsläufig schlecht.

Umgang mit anderen

Wenn im Verein lautstark über andere Sportarten und Vereine hergezogen wird, dann halte ich das für ein sehr schlechtes Zeichen. Zunächst einmal verstößt es eindeutig gegen den Ehrenkodex im Karate, der respektvollen Umgang miteinander fordert. Zum zweiten werden so die Schüler zur Engstirnigkeit erzogen. Karate ist nur ein, nicht aber der Weg. Und zum dritten ist dies häufig nur ein Versuch, die eigenen Schüler von anderen ab zu schirmen. Häufig steckt dahinter in Wirklichkeit nicht etwa das Überlegenheitsgefühl, welches zur Schau gestellt wird, sondern vielmehr Angst davor, vor den anderen nicht bestehen zu können.

Natürlich ist das oben Geschriebene meine persönliche Meinung.

Eike Schmidt

© 2005 Eike Schmidt